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Gemeinsame Erklärung
zur Gleichstellung von Frauen im Jazz

 

 

Für eine Gleichstellung von Frauen im Jazz

Die Jazzszene ist in Deutschland nach wie vor maßgeblich von Männern geprägt. Frauen machen laut der Jazzstudie 2016 nur ein Fünftel der Jazzmusiker*innen in Deutschland aus. Bei der Verteilung auf die verschiedenen Instrumentengruppen fällt zudem auf, dass nur 12% der Instrumentalist*innen Frauen sind, dafür aber 86% der Sänger*innen. 

Eine fehlende Gleichstellung entwickelt sich, auch im Jazz, bereits bei Kindern und Jugendlichen. Während an den Musikschulen insgesamt sogar mehr Mädchen als Jungen Unterricht nehmen, finden bereits weniger Mädchen und Frauen ihren Weg in die ersten Bands und Ensembles. In der Folge und mit dem steigenden Grad der weiteren Professionalisierung sinkt der Anteil der Frauen unter den Musikstudent*innen, Band-Leader*innen, Dozent*innen oder Professor*innen im Jazzbereich immer weiter. Im Ergebnis gibt es derzeit beispielsweise nur eine einzige Instrumental-Professorin für Jazz an einer deutschen Musikhochschule, und das auch erst seit 2018. In den vier Bigbands des öffentlich-rechtlichen Rundfunks spielen aktuell nur zwei Instrumentalistinnen. Dies sind besonders offenkundige Beispiele dafür, dass die Gleichstellung zwischen Männern und Frauen im Jazz derzeit nicht gegeben ist. 

Die fehlende Repräsentanz von Frauen im Jazz ist vergleichbar mit vielen Bereichen unserer Gesellschaft, sei es Kultur, Wirtschaft oder Politik. Wir als Akteur*innen der Jazzszene wollen unsere eigenen Möglichkeiten in den Blick nehmen und uns für eine tatsächliche Chancengleichheit im Jazz einsetzen. Es gibt bereits bemerkenswerte Initiativen für die Förderung von Frauen und die bessere Sichtbarkeit von Akteurinnen im Jazz. Dazu zählen in Deutschland beispielsweise die Jazz-Künstlerinnenförderung in Berlin, das Peng!-Festival in Essen oder das Programm ‚improviser in residence‘ in Moers. Solche Initiativen gilt es zu stärken und zu erweitern. 

Zur freien Entfaltung und Förderung aller vorhandenen Potenziale gehört eine von Anerkennung und Wertschätzung getragene Jazzkultur, in der die individuelle Identität und Diversität aller Beteiligten respektiert wird. Mehr Chancen für Frauen sind eine gesellschaftliche Chance für alle, sowohl in Bezug auf die künstlerische Diversität als auch auf die Verwirklichung individueller Lebensmodelle. Aus diesem Grund wollen wir eine allgemeine Sensibilisierung für Gender-Aspekte im Jazz erreichen und treten dafür ein, dass strukturelle Barrieren auf dem Weg zur Chancengleichheit von Frauen abgebaut werden und die Repräsentanz von Frauen auf allen Qualifikationsstufen und Führungspositionen in allen den Jazz betreffenden Bereichen erhöht wird.

 

Forderungen & Maßnahmen

Wir treten für ein ausgeglichenes Verhältnis der Geschlechter im Jazz ein. Mit den folgenden Forderungen und der Umsetzung konkreter Maßnahmen wollen wir Verbesserungen erreichen.

Aufklärung und Sensibilisierung

Wir engagieren uns für die klare Benennung von Problemfeldern bei der Gleichstellung und für die Aufdeckung von Diskriminierungen im Jazz. Dafür sind unter anderem mehr Forschungs- und Weiterbildungsmaßnahmen bei geschlechterspezifischen Themen notwendig, um Problembereiche genauer erkennen und Maßnahmen besser ergreifen zu können. 

Geschlechtergerechte Sprache

Wir empfehlen die Verwendung geschlechtergerechter Sprache. Durch sie wird sichergestellt, dass sich Frauen und Männer gleichermaßen angesprochen fühlen und gleichwertig mitgedacht werden. Geschlechtergerechte Sprache fördert die gedankliche Überwindung von stereotypen Rollenbildern und kann dadurch einen Beitrag zur Veränderung bestehender Geschlechterverhältnisse leisten.

Pädagogik der Vielfalt

Wir fordern eine geschlechterbewusste Unterrichtspädagogik in der musikalischen Bildung. Mit Sensibilität, der Verhinderung von geschlechtsbezogenen Zuschreibungen und der Förderung von Maßnahmen, die in dieser wichtigen Phase beispielsweise zur Stärkung des Selbstbewusstseins von Mädchen beitragen, kann der Grundstein für die spätere Gleichstellung gelegt werden. Bereits bei der Instrumentenauswahl sowie der Konzeption und Zusammenstellung von Ensembles sollte Geschlechterstereotypen aktiv und bewusst entgegengewirkt werden.

Förderprogramme

Wir fordern mehr und kontinuierlich finanzierte Förderprogramme der Kommunen, der Länder und des Bundes für Frauen und Mädchen im Jazz. Damit sowohl der Einstieg in den Jazz als auch die Professionalisierung für Frauen erleichtert werden, ist eine Kombination breitenwirksamer Aktivitäten und leistungsfördernder Maßnahmen notwendig und sinnvoll. Unabhängig von Förderprogrammen für Frauen sollte eine Vergabe öffentlicher Mittel generell immer daran gekoppelt sein, dass eine angemessene Beteiligung von Frauen sichergestellt ist.

Funktionen und Ämter

Wir fordern, dass Frauen deutlich stärker bei der Besetzung entscheidungsrelevanter Positionen berücksichtigt werden. Dies betrifft Lehrstellen, Professuren, Redakteur*innen-Stellen, Jurys, Vorstände, Präsidien und andere Ämter. Nur wenn Frauen entscheidend mitgestalten, können wir Chancengleichheit im Jazz erreichen.

Paritätische Gremien

Wir fordern eine gleichmäßige Besetzung mit Frauen und Männern in entscheidungsrelevanten Gremien wie Jurys oder Kommissionen. In einem paritätisch besetzen Gremium können Entscheidungen am ehesten unabhängig vom Geschlecht getroffen werden.

Quotenregelungen

Wir setzen uns dafür ein, dass unter anderem bei der Besetzung von Professuren, Lehraufträgen, Ensembles und Führungspositionen sowie bei der Vergabe von Preisen oder der Auswahl von Kurator*innen für Veranstaltungen und Festivals ebenfalls Frauen stärker berücksichtigt werden. Um die Gleichstellung von Männern und Frauen zu erreichen, sollten dort, wo es nötig und sinnvoll erscheint, Quotenregelungen genutzt werden.

Öffentliche Darstellung

Wir fordern eine qualitativ ausgewogene, unvoreingenommene und stereotypfreie mediale Darstellung von Frauen und Männern im Jazz. Alle Medien, insbesondere der öffentlich-rechtliche Rundfunk, sollten diesem Anspruch noch besser gerecht werden.

10. Oktober 2018

 

Unterzeichner*innen

Institutionen

Union Deutscher Jazzmusiker, Bundeskonferenz Jazz sowie Bayerischer Jazzverband, BIX Stuttgart, Bundesjazzorchester, Deutsche Jazzföderation, Deutscher Komponistenverband, Förderkreis Jazz, IG Jazz Berlin, Jazz & World Partners, Jazz Musiker Initiative Hannover, jazzahead!, Jazzclub Tonne Dresden, Jazzfest Berlin, Jazzfest Bonn, Jazzinstitut Darmstadt, Jazzmeile Thüringen, jazzopen Stuttgart, Jazzzeitung.de, Kölner Jazzkonferenz, LAG Jazz Niedersachsen, Neue Musikzeitung, Sendesaal Bremen, Stadtgarten Köln, Tonhalle Hannover, Zeche Carl Essen, XJAZZ, Frauen Musik Büro Frankfurt, Arbeitskreis Frauen im Jazz, Soundsgood Music Agency, PENG e.V., Improve Musikunterricht, musica femina münchen e.V., Global Jazz Academy, SPD/Berlin FA XII Kulturpolitik, Jazzinitiative Würzburg e.V., Hout Records, Jazz & Wine International Festival Albania, Kulturkabinett e.V., Universität Münster sowie UniJAZZTity JJO Westfalen, Musikatelier Rhizom e.V., jazz-fun.de, Frauenkulturbüro NRW e.V., Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover, Musikland Niedersachsen gGmbH, JAZZTHETIK magazin, Natalia Mateo, Global Jazz Academy, LAG Rock in Niedersachsen e.V., Buchhandlung Droste, Forum Kultur Heppenheim e.V., 1. Jazz-Club Grünberg e.V., Jazz am Schießberg Calw, Frauenmusikzentrum e.V. Hamburg, Musszo Booking, Initiative Jazz Braunschweig, moving poets Berlin, Jeunesses Musicales Deutschland e.V., Kick The Flame Musikverlag, Jazzakademie der Musikschule Dortmund, Förderverein hr-Bigband (Vorstand), HAIÓN, Stimmwerk

Einzelpersonen

Uli Beckerhoff, Bettina Bohle, Sigi Busch, Julia Cloot, Klaus Doldinger, Silke Eberhard, Anette von Eichel, Thomas Eckardt, Felix Falk, David Friedman, Christina Fuchs, Ursula Gaisa, Ulrike Haage, Anke Helfrich, Monika Herzig, Christian Höppner, Gregor Hotz, Julia Hülsmann, Urs Johnen, Tizian Jost, Achim Kaufmann, Wolfram Knauer, Andreas Kolb, Bernd Konrad, Sybille Kornitschky, Martin Maria Krüger, Rolf Kühn, Wolfgang Lackerschmid, Alexandra Lehmler, Hans-Jürgen Linke, Dieter Manderscheid, Stefanie Marcus, Peter Materna, Reiner Michalke, Suzette Yvonne Moissl, Nikolaus Neuser, Angelika Niescier, Theresia Philipp, Jonas Pirzer, Melanie Rossmann, Benjamin Schaefer, Manfred Schoof, Mini Schulz, Peter Schulze, Dominik Seidler, Charlotte Seither, Sebastian Studnitzky, Aki Takase, Raphael D. Töne, Gebhard Ullmann, Kornelia Vossebein, Arndt Weidler, Peter Weniger, Steffen Wilde, Nils Wogram, Erhard Grundl, Jürgen Kernbach, Asja Valcic, Athina Kontou, Jakob Obleser, Michelle Walker, Christoph Kratzsch, Eva Bauer-Oppelland, Constantin Krahmer, Gabriele Friemer, Anja Buchmann, Tim Kleinsorge, Ina Scheuermann, Rainer Weber, Romeo Lichtenfels, Martin Laurentius, Kristina Mohr, Gerhart Müller, Oliver Lutz, Nicole Badila, Evgeny Ring, Sabine Zimmer, Max Andrzejewski, Lars Seniuk, Laura Winkler, Joachim Wespel, Lisa Tuyala, Jonas Vogler, Michael Hoffmann, Ruben Bauer, Ulrich-Alexander Eschment, Filippa Gojo, Sandra Lötzsch, Vera Brandes, Stephanie Neigel, Anne-Christine Heinrich, Zäzilia Seibold, Karl Godejohann, Paul Caspar, Mira Burdak, Dagmar Unland-Ponge, Sarah Lipfert, Charlotte Greve, Beate Geibel, Philipp Gropper, Marie Härtling, Juliane Schaper, Tobias Meinhart, Imogen Gleichauf, David Andres, Barbara Jungfer, Marcia Bittencourt, Caroline Olbertz, Kerstin Andreas-Haberecht, Mareike Wiening, Christopher Dell, Susanne Wosnitzka, Laura Knonsalla, Claudia Lehleitner, Johanna Schneider, Rosanna Zacharias, Wilm Flinks, Mirko Meurer, Sabine Seide, Isabelle Bodenseh, Gabriele Hasler, Rainer Lewalter, Ricarda Hagemann, Veit Steinmann, Veit Steinmann, Jonathan Strauch, Julia Neupert, Uli Kempendorff, Dorothea Tausch, Dirk Rumig, Veronika Morscher, Marian Rosenfels, Marion Olthoff, Knut Holtsträter, Heiko Langanke, Michael Bitz, Sebastian von Keler, Angelika Traurig, Norbert Hotz, Christoph Hussong, Petra Brodde, Ayca Mirac, Florian Poser, Sylvia Hinz, Romy Camerun, Emma Rosenblum, Eren Solak, Paul Stahl, Krischa Weber, Thomas Bierling, Elvira Plenar, Ulrich Mitzlaff, Bernhard Mergner, Andreas Dombert, Manuel Krass, Johanna Borchert, Eva Klesse, Ulrike Lentz, Tilo Weber, Clara Däubler, Gisela Nebe, Karoline Höfler, Dejan Terzic, Jasmine Klewinghaus, Martin Hufner, Gilda Razani, Elke Wörndle, Marion Möhle, Sarah Lautermann, Lennard Schramm, Stephanie Wagner, Niels Klein, Johannes Metzger, Kurt Klose, Alexander Beierbach, Jacek Brun, Birgitta Flick, Vera Geyer, Anne Katrin Hülsmann, Karl Ivar Refseth, Juliana Blumenschein, Almut Lustig, Annett Becker-Edert, Peter Gall, Matthias Pichler, Manuel Schmiedel, Jonas Lasse Teichmann, Carmen Schroll, Sonja Beeh, Arne Jansen, Christof Griese, Ulla Oster, Meike Goosmann, Hildegund Appelt, Julian Bossert, Eva Kess, Max Frankl, Alexander Schimmeroth, Philip Frischkorn, Anne Czichowsky, Barbara Barth, Maximilian Stadtfeld, Matthias Bergmann, Myriam Thyes, Julia Ehninger, Patricia Hofmann, Caroline Thon, Gwen Kyrg, Mane Stelzer, Miriam Ast, Valentin Schuster, Ulrich Olshausen, Heinz-Jörg Steffen, Christine Stephan, Hanna Schörken, Annalena Schwade, Pablo Held, Daniel Glahn Pérez, Rebekka Engel, Anke Dwenget-Ahls, Manuela Kaiser, Johannes Schulz-Knappe, Lena Steffan, Fynn Großmann, Caro Smykla, Lars Stoermer, Leonie Freudenberger, Thomas Groß, Karen Verdonck, Oliver Baltz, Malte Schiller, Nadine Overkamp, Anne Hartkamp, Nora Thiele, Stefan Berker, Francesco Fusco, Michaela Raab, Ingeborg Thor-Klauser, Luise Volkmann, Steffi Narr, Mathis Nicolaus, Elena Gulli, Nine Löbel, Katharina Maschmeyer, Zooey Agro, Delphine Quaas, Gerlinde Droste, Otto Jansen, Ulrich Hoffmann, Katharina Polivaeva, Tobias Laun, Sabine Worthmann, Jörg Rübesamen, Annette Kayser, Birgit Reinarz, Anke Schley, Axel Christian Schullz, Ulrike Schwarz, Andreas Scotty Böttcher, Anna Zourek, Meike Koester, Orchide Tsitak, Insa Heimsoth, Ulrike Düregger, Niclas Floer, Katrin Zurborg, Karin Fiedler, Victor Filippo, Phillip Dornbusch, Ana Batistic, Lucia Martínez, Thomas Charlène, Erik Leuthäuser, Dora Osterloh, Gisela Bohle, Anna Roxenholt, Uwe Kellerhoff, Christiane Dehmer, Petra van Delft, Aicha Tibri, Lexi Rumpel, Joachim Wirmer, Stephanie Woitek, Franziska Henke, Helga Knoche-Harries, Cornelia Wulf, Kerstin Revenstorff, Joachim Ternig, Silvia Fischer, Sandra Garcia, Sebastian Gille, Ina Bär, Thomas Friedrich, Sebastian 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Wolfgang Morr, Sabine Jambon, Gunda Schumann, Stefan Schultze

 

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