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Albert-Mangelsdorff-Preis (Deutscher Jazzpreis)

 

© Ulla C. Binder

 

Die Verleihung des Albert-Mangelsdorff-Preises 2015 fand am 6. November 2015 in Berlin statt.

 

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Informationen zum Preis:

Verliehen von der Union Deutscher Jazzmusiker e.V.
Gestiftet von der GEMA-Stiftung, dem Deutschen Komponistenverband und der Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten (GVL)

Jazz in Deutschland hat eine lange Tradition, unterbrochen durch die Zeit des Nationalsozialismus, aber um so stärker wieder belebt und fortgeführt nach dem Zweiten Weltkrieg. Spätestens seit den sechziger Jahren hat der Jazz hierzulande ganz eigene Ausprägungen, Strömungen und insbesondere Musikerpersönlichkeiten hervorgebracht.

Die Zahl der professionellen Musikerinnen und Musiker, die eigene musikalische Wege gehen, neue musikalische Konzeptionen entwickeln und verfolgen, die selbst komponieren, arrangieren, interpretieren und improvisieren wächst in beachtlichem Maße, erst recht seit der Etablierung entsprechender Unterrichts- und Studienangebote an Musikschulen und Musikhochschulen. Viele Jazzmusikerinnen und Jazzmusiker aus Deutschland haben eine eigenständige Stimme entwickelt und finden national und international hohe künstlerische Anerkennung. Jazz ist ein wesentlicher und nicht mehr wegzudenkender Teil des deutschen Musiklebens insgesamt geworden.

Der Albert-Mangelsdorff-Preis (Deutscher Jazzpreis) will dem individuellen künstlerischen Aspekt des Jazz Rechnung tragen und hat das Ziel, herausragende und kontinuierliche Leistungen auszuzeichnen. Die Wahl Albert Mangelsdorffs zum Namenspatron liegt daher nahe: der 1928 geborene und 2005 gestorbene Posaunist genoss weltweit uneingeschränkte Anerkennung sowohl für seine außerordentlichen instrumentalen Fähigkeiten als auch für seine Kompositionen und konzeptionellen Perspektiven. Seine bedeutende Rolle für die Emanzipation des europäischen Jazz und seine Vorbildfunktion für deutsche Jazzmusiker von den 60er-Jahren bis heute hielt er mit größter Bescheidenheit inne.

Der Albert-Mangelsdorff-Preis (Deutscher Jazzpreis) wird alle zwei Jahre vergeben; zum ersten Mal 1994 aus Anlass des 20jährigen Bestehens der UDJ und des 19. Deutschen Jazz-Forums in Berlin. Der mit 15.000 Euro dotierte Preis wird von der GEMA-Stiftung, dem  Deutschem Komponistenverband und der GVL gestiftet. Die Eigenbewerbung ist ausgeschlossen. Eine Jury entscheidet unabhängig und unter Ausschluss des Rechtsweges. Sie setzt sich zusammen aus Vertreterinnen und Vertretern von Rundfunk, Printmedien, Veranstaltern, Stiftern, UDJ sowie einer unabhängigen Musikerpersönlichkeit.

 

Die Stifter

 

 

Die GEMA-Stiftung (gegründet 1976) ist eine als mildtätig und gemeinnützig anerkannte öffentliche Stiftung des bürgerlichen Rechts. Zu den Schwerpunkten der Tätigkeit gehört die Unterstützung und Förderung zeitgenössischer Komponisten und Textautoren in allen Musikbereichen durch die Vergabe zweckgebundener Stiftungsmittel.

 

Die Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten mbH (GVL) nimmt treuhänderisch Vergütungen für die Nutzung von Produktionen ein und leitet diese direkt an ihre Berechtigten weiter. Mehr als 130.000 Künstler und über 28.000 Labels weltweit vertrauen der GVL – und machen sie damit zu einer der größten Verwertungsgesellschaften für Leistungsschutzrechte in Europa. 

 

 

Der Förderungs- und Hilfsfonds des Deutschen Komponistenverbandes wurde 1990 unter dem Namen Paul Woitschach-Stiftung errichtet. Der Fonds fördert musikalische Projekte, Wettbewerbe, Publikationen und Preise. Er unterstützt Komponistinnen und Komponisten sowie deren Angehörige bei Bedürftigkeit.

 

im Rahmen von und in Zusammenarbeit mit

 

 

 

 

Die Preisträger

 

Achim Kaufmann (c) Peter Gannushkin

Achim Kaufmann (c) Peter Gannushkin

2015 Achim Kaufmann

Achim Kaufmann gehört seit vielen Jahren zu den an- und aufregendsten Persönlichkeiten der europäischen Jazz- und Improvisationsszene. Seine Musik zeugt von harmonischer Feinsinnigkeit und strukturellem Tiefgang; als brillanter Pianist und Komponist hat er über die reflektierte Ausein­andersetzung mit der Tradition zu einer nuancierten, jetzt-zeitigen Klangsprache gefunden, in der Poesie, Energie und Abstraktion gleichermaßen präsent sind. Wie breit dabei auch sein stilistisches Spektrum ist, zeigen nicht nur Achim Kaufmanns jüngste Solo-Aufnahmen und die Duo-Veröffentlichungen mit dem Klarinettisten Michael Moore, sondern auch sein Mitwirken in so unterschiedlichen Ensembles wie "grünen" (mit Robert Landfermann und Christian Lillinger), "Skein" (u.a. mit Frank Gratkowski und Wilbert de Joode) oder Christian Lillingers "GRUND“.

 

2013 Nils Wogram 

Der Posaunist Nils Wogram ist derzeit einer der wichtigsten, deutschen Jazzmusiker. Als Bandleader, Komponist und Solist mit kompromisslos eigener Sprache feiert er weltweit große Erfolge. Mit seinen zahlreichen Bands unterschiedlichster Besetzung und musikalischer Ausrichtung ist er auf den bedeutendsten Jazzfestivals vertreten und konzertiert weltweit. Seit Beginn seiner Karriere hat er mehr als 20 Alben veröffentlicht. Nils Wogram kennt sich bestens in der amerikanischen Jazz-Tradition aus und hat er sich intensiv mit Musik verschiedenster Kulturen sowie klassischer europäischer Kunstmusik beschäftigt. Er ist unter anderem Träger des Jazzpreises des SWR, des Landesjazzpreises Nordrhein-Westfalen, des Jazzpreises der Stadt Köln, des GEMA Jazzkompositionspreises, des BMW Jazz Awards und des ECHO Jazz.

 

 

2011 Peter Brötzmann

Peter Brötzmann gilt als einer der radikalsten Free Jazz-Innovatoren der europäischen Szene. Schon 1968 schuf er mit Machine Gun eines der provozierendsten Werke der modernen Jazzmusik. Er gehört zu den Gründungsmitgliedern des Globe Unity Orchestra und des Berliner Plattenlabels Free Music Production. Brötzmann steht seit den 60er Jahren weltweit auf zahlreichen Club- und Festivalbühnen.

 

 

 

 

 

 

 

2009 Eberhard Weber

Der gebürtige Schwabe gilt als herausragender Jazzmusiker von internationalem Rang. Nach einer Ausbildung zum Fotographen arbeitete Weber mit zahlreichen Urgesteinen der deutschen Jazzszene wie Wolfgang Dauner, Albert Mangelsdorff, Klaus Doldinger und Rainer Brüninghaus. Später arbeitete er mit internationalen Stars wie Pat Metheny, Gary Burton und Jan Garbarek. Weber spielte in späteren Jahren ausschließlich auf seinem selbstentwickelten elektrischen Kontrabass, für dessen individuellen Sound er bekannt ist.

 

 

 

 

2007 Gunter Hampel

Gunter Hampel ist ein seit den 50er Jahren aktiver Multiinstrumentalist. Als Vibraphonist, Saxophonist, Pianist und Flötist arbeitete er mit so verschiedenen Musikern wie John McLaughlin, Anthony Braxton oder Smudo von den Fantastischen Vier zusammen. Hampel gewann 1978 den Kritiker-Poll des Downbeat Magazine. Er ist Träger des Bundesverdienstkreuzes und gibt seit über 40 Jahren Bewegungs- und Improvisationsworkshops für Kinder.

 

 

 

 

 

 

2005 Ulrich Gumpert

Der in Jena geborene Pianist, Organist und Komponist war einer der aktivsten Jazzmusiker in der ehemaligen DDR. Seit den 70er Jahren war und ist Ulrich Gumpert in zahlreichen Formationen zu hören, beispielsweise der Fusionband SOK und Synopsis (später Zentralquartett) sowie Jazzin' the Blues mit Uschi Brüning und Manfred Krug. Er tritt zudem auch als Filmmusikkomponist in Erscheinung.

 

 

2003 Ulrike Haage

Ulrike Haage ist Pianistin, Komponistin und Klangkünstlerin. Ursprünglich aus Kassel stammend lebt sie heute in Berlin. Sie studierte an der Hamburger Musikhochschule, an der sie später auch als Dozentin tätig war. Sie arbeitete für das Theater u.a. mit Peter Zadek oder Meret Becker. Außerdem war sie in so unterschiedlichen Formationen wie der ersten deutschen Frauenbigband Reichlich weiblich oder der Pop/Rock-Band Rainbirds aktiv.

 

 

 

 

 

 

 

2001 Wolfgang Schlüter

Schlüter gilt als einer der wichtigsten Vibraphonisten Europas. Er arbeitete in den Bands von Kurt Edelhagen, Peter Herbolzheimer und Paul Kuhn. Außerdem spielte er über 30 Jahre in der NDR BigBand. Stationen in seiner Karriere umfassen die intensive Zusammenarbeit mit dem Pianisten Michael Naura aber auch Jazz+Lyrik Projekte mit Peter Rühmkorf. Er war lange als Professor an der Musikhochschule Hamburg tätig.

 

 

 

 

 

 

 

1999 Heinz Sauer

Der studierte Physiker Sauer ist einer aktivsten und prägendsten Tenorsaxophonisten der deutschen Jazzszene. In den 60er Jahren spielte er mit Albert Mangelsdorff, nahm mit dem Globe Unity Orchestra und der NDR BigBand auf und spielte später mit seinem eigenen Quartett. In den letzten Jahren sorgte er im Duo mit dem über 40 Jahre jüngeren Michael Wollny für Furore.

 

 

 

 

1997 Ernst-Ludwig Petrowsky

„Luten“ Petrowsky gilt als einer der Urväter des DDR-Jazz und spielte u.a. mit Joachim Kühn, Ulrich Gumpert und Heinz Becker. Später wurde er auch durch Auftritte mit Uschi Brüning bekannt. Bereits in der DDR hatte er wichtige Kunstpreise erhalten. Sein Werk umfasst bisher über 70 CDs und LPs, zuletzt White Power Blues mit Oliver Schwerdt und Christian Lillinger.

 

 

1995 Peter Kowald

Der 2002 in New York früh verstorbene Bassist und Tubist, war ein im Free Jazz und der improvisierten Musik verorteter Künstler. Er arbeitete viel mit Alexander von Schlippenbach und dem Globe Unity Orchestra, Evan Parker und Marilyn Mazur. Später hatte er ein Trio mit Conny Bauer und Günter „Baby“ Sommer. Kowald war zudem bildender Künstler, der mit Dichtern, Malern und vor allem Tänzern arbeitete.

 

 

 

 

 

 

 

 1994 Alexander von Schlippenbach

Alexander von Schlippenbach ist ein Berliner Jazz-Pianist, Arrangeur und Komponist. Er gilt als einer der wichtigsten Vertreter der ersten Generation europäischer Free-Jazzer. Er ist Gründer des Globe Unity Orchestra, das er bis heute leitet. Zu seinen wichtigsten Projekten zählen außerdem das Trio mit Paul Lovens und Evan Parker, sowie das Duo mit seiner Frau Aki Takase. Schlippenbach ist unter anderem Träger des Berliner Kunstpreises und des SWR-Jazzpreises.

 

Der Namensgeber

 

Albert Mangelsdorff war ein bedeutender und innovativer Jazzposaunist. Er besuchte schon während des dritten Reiches heimlich den Hot Club, in dem er mit dem damals verbotenen Jazz in Berührung kam und spielte im Nachkriegsdeutschland zunächst als Gitarrist in Clubs der US-Army. In den späteren Jahren entwickelte er sich zu einem virtuosen Posaunisten der durch sein versiertes Solospiel und den gekonnten Einsatz von Multiphonics für Aufsehen sorgte. Er spielte in den 50er Jahren auf dem Newport Jazzfestival und im hr-Jazzensemble. Später gründete er das Albert-Mangelsdorff-Quintett, mit dem er Touren durch Asien und die USA spielte. Es folgten Kollaborationen mit dem United Jazz+Rock Ensemble und dem Globe Unity Orchester. Im späteren Verlauf seiner Karriere arbeitete er mit unzähligen bedeutenden Musikern im In- und Ausland. Albert Mangelsdorff gilt als einer der wichtigsten deutschen Jazzmusiker des 20. Jahrhunderts, er starb 2005 in seiner Geburtsstadt Frankfurt am Main.